Und wie dir das Lagoon-Factory-Refit dabei hilft!
Ein abgelöstes Notausstiegsluk, ein Katamaran, der im Indischen Ozean versinkt, und ein Skipper, der 15 Stunden im Dinghy treibt: Der Fall einer Lagoon 42, über den der australische Sender ABC Ende September 2026 berichtet hat, rückt eine Rückrufaktion wieder ins Rampenlicht, die viele Eigner längst für erledigt hielten. Ein Überblick über die bekannten Lagoon-Rückrufe – und was Eigner jetzt prüfen sollten.
Der aktuelle Fall: Lagoon 42 sinkt nach Luk-Versagen
Laut ABC News war der 70-jährige kanadische Einhandsegler James „Ted“ Rutledge auf Weltumsegelung, als nachts der Alarm anging: Durch das rund einen halben Meter breite Notausstiegsluk im Steuerbordrumpf strömte Wasser ein. Das Luk war nach der Rückrufaktion von 2020 in Panama nachgerüstet worden – und hatte sich dennoch offenbar selbstständig gelöst. Innerhalb von etwa zehn Minuten war klar, dass das Boot nicht zu halten war.
Die Rettungsinsel war bereits unter Wasser, Rutledge konnte sich nur mit Mühe ins Beiboot retten. Rund 1.000 km von der nächsten Küste entfernt, südöstlich der Weihnachtsinsel, wurde er nach einem Suchflug der australischen Seenotbehörde AMSA schließlich von einem Hubschrauber der HMAS Supply aufgenommen – nach 15 Stunden auf See. Seine Einschätzung: Er habe keinen Navigationsfehler gemacht, die Fenster seien schlicht nicht stabil genug verbaut gewesen.
Hintergrund: Der Goïot-Rückruf seit 2019
Seit 2007 verbaut Lagoon feste Notausstiegsluken des Zulieferers Goïot: eine „Securit“-Glasscheibe, die auf einen Aluminiumrahmen geklebt und mit dem Rumpf verschraubt ist. Im Falle einer Kenterung soll die Crew die Scheibe einschlagen und so aus dem Rumpf entkommen können.
2019 informierte Goïot die Werften über ein Risiko bei Luken, die vor September 2018 ausgeliefert wurden: Die Scheibe kann sich vom Rahmen lösen. Lagoon, Fountaine Pajot, Catana-Bali und Nautitech starteten daraufhin eine gemeinsame Rückrufaktion. Betroffen sind bei Lagoon Katamarane der Baujahre 2007 bis 2019 mit festen Goïot-Notluken. Die Abhilfe: ein Haltekit mit Halteklammern, das die Scheibe bei einer Ablösung in Position halten und so den Wassereinbruch begrenzen soll.
Schon vor dem aktuellen Fall gab es Kritik an dieser Lösung. In Seglerforen wurde etwa ein weiterer Totalverlust einer Lagoon diskutiert; Eigner bezweifelten, dass die kleinen Kunststoffhalter bei schwerer See eine sich lösende Scheibe zuverlässig halten können.
Neu im Juni 2026: Austausch alle 10 Jahre
Am 17. Juni 2026 hat Lagoon die Rückrufmeldung aktualisiert – mit einem wichtigen Zusatz von Goïot: Die betroffenen Luken sollen alle 10 Jahre ersetzt werden, da Material und Kleber unter UV-Strahlung, Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Salzwasser altern.
Lagoon trennt dabei klar zwei Dinge:
- Das Haltekit ist eine Sicherheitsmaßnahme gegen das Herausfallen der Scheibe – es ersetzt das Luk nicht und verlängert dessen Lebensdauer nicht.
- Der Austausch nach 10 Jahren gehört zur regulären Wartung – auch dann, wenn das Haltekit bereits montiert ist.
Da die betroffenen Boote 2007 bis 2019 gebaut wurden, haben inzwischen nahezu alle diese Grenze erreicht oder überschritten. Ersatzluken gibt es über Lagoon-Händler und Servicecenter.
Weitere Rückrufe und bekannte Themen bei der Lagoon 42
Neben den Luken berichten Lagoon-42-Eigner in ihren Blogs von weiteren Werksmaßnahmen:
- Mastfuß / Mast Step: Für frühe Baujahre (bis 2018) gab es einen Rückruf zur Modifikation der Mastfußkonstruktion. Ab Baujahr 2019 wurde die Konstruktion geändert. Beim Kauf einer frühen 42 sollte geprüft werden, ob die Maßnahme durchgeführt wurde.
- Mast-Trittstufen: Ein Eigner berichtet von einem Rückruf der Maststufen bei Booten der Baujahre 2020/2021.
- Querbalken-Korrosion: Zwischen dem Aluminium-Querbalken und den Edelstahl-Bugrollen bzw. -Beschlägen fehlte eine Isolierung, was zu Kontaktkorrosion führen kann. Lagoon stellte dafür ein Nachrüst-Kit bereit.
Was Eigner jetzt tun sollten
- Prüfen, ob das Boot zwischen 2007 und 2019 gebaut wurde und feste Goïot-Notluken hat.
- Sicherstellen, dass das Haltekit montiert ist – und unabhängig davon das Alter der Luken prüfen. Älter als 10 Jahre heißt: austauschen.
- Bei Unklarheiten den Händler, das Servicecenter oder Lagoon direkt kontaktieren: christian@masteryachting.com – mit Modell, Rumpfnummer (HIN) sowie Händler bzw. betreuender Werft.
- Bei Gebrauchtbooten: Nachweise über Luk-Nachrüstung, Mastfuß-Modifikation und Querbalken-Kit anfordern.
Lagoon selbst betont seit Beginn der Kampagne, dass es sich um ein Sicherheitsthema handelt, das sehr ernst genommen werden muss. Der Fall im Indischen Ozean zeigt, warum.
Am besten direkt via Whats App anfragen!
Quellen
- Lagoon: Recall on Goiot products (Update 17. Juni 2026)
- ABC News: Canadian sailor rescued from sinking catamaran (30. September 2026)
- Multihulls World: Goïot escape hatch product recall
- Cruisers & Sailing Forums: A tragic end of Lagoon Catamaran
- SY Wild Rose: Lagoon 42 Catamaran Problems
- Blue Buddha Adventures: Lagoon 42 Review

