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Nº 11 · November 2026 · Messeherbst: Wo Yachtkäufer jetzt die besten Werften treffen Sicherheit

Lagoon-Recalls: Was Eigner einer Lagoon 42 wissen müssen

Eine Lagoon 42 sinkt im Indischen Ozean, weil sich ein nachgerüstetes Notluk löst. Was hinter dem Goïot-Rückruf steckt, was sich 2026 geändert hat und welche weiteren Rückrufe die Lagoon 42 betreffen.

Supplied: Australian Maritime Safety Authority
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Lagoon Factory Refit

Ein abgelöstes Notausstiegsluk, ein Katamaran, der im Indischen Ozean versinkt, und ein Skipper, der 15 Stunden im Dinghy treibt: Der Fall einer Lagoon 42, über den der australische Sender ABC Ende September 2026 berichtet hat, rückt eine Rückrufaktion wieder ins Rampenlicht, die viele Eigner längst für erledigt hielten. Ein Überblick über die bekannten Lagoon-Rückrufe – und was Eigner jetzt prüfen sollten.

Der aktuelle Fall: Lagoon 42 sinkt nach Luk-Versagen

Laut ABC News war der 70-jährige kanadische Einhandsegler James „Ted“ Rutledge auf Weltumsegelung, als nachts der Alarm anging: Durch das rund einen halben Meter breite Notausstiegsluk im Steuerbordrumpf strömte Wasser ein. Das Luk war nach der Rückrufaktion von 2020 in Panama nachgerüstet worden – und hatte sich dennoch offenbar selbstständig gelöst. Innerhalb von etwa zehn Minuten war klar, dass das Boot nicht zu halten war.

Die Rettungsinsel war bereits unter Wasser, Rutledge konnte sich nur mit Mühe ins Beiboot retten. Rund 1.000 km von der nächsten Küste entfernt, südöstlich der Weihnachtsinsel, wurde er nach einem Suchflug der australischen Seenotbehörde AMSA schließlich von einem Hubschrauber der HMAS Supply aufgenommen – nach 15 Stunden auf See. Seine Einschätzung: Er habe keinen Navigationsfehler gemacht, die Fenster seien schlicht nicht stabil genug verbaut gewesen.

Hintergrund: Der Goïot-Rückruf seit 2019

Seit 2007 verbaut Lagoon feste Notausstiegsluken des Zulieferers Goïot: eine „Securit“-Glasscheibe, die auf einen Aluminiumrahmen geklebt und mit dem Rumpf verschraubt ist. Im Falle einer Kenterung soll die Crew die Scheibe einschlagen und so aus dem Rumpf entkommen können.

2019 informierte Goïot die Werften über ein Risiko bei Luken, die vor September 2018 ausgeliefert wurden: Die Scheibe kann sich vom Rahmen lösen. Lagoon, Fountaine Pajot, Catana-Bali und Nautitech starteten daraufhin eine gemeinsame Rückrufaktion. Betroffen sind bei Lagoon Katamarane der Baujahre 2007 bis 2019 mit festen Goïot-Notluken. Die Abhilfe: ein Haltekit mit Halteklammern, das die Scheibe bei einer Ablösung in Position halten und so den Wassereinbruch begrenzen soll.

Schon vor dem aktuellen Fall gab es Kritik an dieser Lösung. In Seglerforen wurde etwa ein weiterer Totalverlust einer Lagoon diskutiert; Eigner bezweifelten, dass die kleinen Kunststoffhalter bei schwerer See eine sich lösende Scheibe zuverlässig halten können.

Neu im Juni 2026: Austausch alle 10 Jahre

Am 17. Juni 2026 hat Lagoon die Rückrufmeldung aktualisiert – mit einem wichtigen Zusatz von Goïot: Die betroffenen Luken sollen alle 10 Jahre ersetzt werden, da Material und Kleber unter UV-Strahlung, Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Salzwasser altern.

Lagoon trennt dabei klar zwei Dinge:

  • Das Haltekit ist eine Sicherheitsmaßnahme gegen das Herausfallen der Scheibe – es ersetzt das Luk nicht und verlängert dessen Lebensdauer nicht.
  • Der Austausch nach 10 Jahren gehört zur regulären Wartung – auch dann, wenn das Haltekit bereits montiert ist.

Da die betroffenen Boote 2007 bis 2019 gebaut wurden, haben inzwischen nahezu alle diese Grenze erreicht oder überschritten. Ersatzluken gibt es über Lagoon-Händler und Servicecenter.

Weitere Rückrufe und bekannte Themen bei der Lagoon 42

Neben den Luken berichten Lagoon-42-Eigner in ihren Blogs von weiteren Werksmaßnahmen:

  • Mastfuß / Mast Step: Für frühe Baujahre (bis 2018) gab es einen Rückruf zur Modifikation der Mastfußkonstruktion. Ab Baujahr 2019 wurde die Konstruktion geändert. Beim Kauf einer frühen 42 sollte geprüft werden, ob die Maßnahme durchgeführt wurde.
  • Mast-Trittstufen: Ein Eigner berichtet von einem Rückruf der Maststufen bei Booten der Baujahre 2020/2021.
  • Querbalken-Korrosion: Zwischen dem Aluminium-Querbalken und den Edelstahl-Bugrollen bzw. -Beschlägen fehlte eine Isolierung, was zu Kontaktkorrosion führen kann. Lagoon stellte dafür ein Nachrüst-Kit bereit.

Was Eigner berichten: Diskussionen in Facebook-Gruppen

Für diesen Beitrag haben wir Diskussionen in der Facebook-Gruppe „Lagoon Owners Group“ ausgewertet, einer privaten Gruppe von Lagoon-Eignern. Alle Aussagen geben wir anonym wieder. Die Namen der Verfasser sind der Redaktion bekannt und dokumentiert. Datum, Uhrzeit und Link jedes Beitrags stehen in den Quellen (F1–F7); die Links sind nur für Gruppenmitglieder sichtbar. Es handelt sich um Erfahrungsberichte einzelner Eigner, nicht um geprüfte Herstellerangaben.

Notluken: Kritik an der Nachrüstung

  • Der Untergang der Lagoon 42 im September 2026 wird in der Gruppe als weiteres Lukversagen trotz Rückruf-Nachrüstung diskutiert. (F1)
  • Ein Eigner berichtet, dass bei einer Lagoon 39 ein Goïot-Luk, das nach dem von Lagoon empfohlenen Verfahren nachgerüstet war, erneut versagt hat. Die Crew war nahe der Küste und konnte das Boot an Land bringen. Das neue Ersatzluk von Lagoon ist laut Bericht an den Ecken zusätzlich verschraubt. (F2)
  • Ein anderer Eigner meldet ein undichtes Goïot-Luk an einem erst rund vier Jahre alten Boot: eine sichtbare Trennung zwischen Glas und Rahmen in einer Ecke. Sein Rat: Luken regelmäßig auf Ablösung, Verfärbung und Salzablagerungen prüfen. (F3)
  • Bereits im Mai 2025 wurde in der Gruppe ein weiterer Untergang einer Lagoon nach Lukversagen diskutiert; laut Beitrag stritten die betroffenen Segler mit Lagoon und ihrer Versicherung. (F4)
  • Ein Eigner veröffentlichte im Dezember 2019 das Rundschreiben von CNB Lagoon vom 19. Dezember 2019. Darin nennt die Werft wenige Fälle, in denen sich die Scheibe vom Rahmen gelöst hat, und bietet die Montage der Halteteile kostenlos an. (F5)

Unterschätzt: Korrosion am Querbalken der Lagoon 42

Ausführlich dokumentiert ist in der Gruppe ein Thema, das über die Luken hinausgeht: Kontaktkorrosion am vorderen Querbalken der Lagoon 42. Ein Eigner beschreibt, dass an Stellen innerhalb von ein bis zwei Jahren bis zu 90 % der Materialstärke weggefressen waren – unter Haupt- und Reserve-Bugrolle, an den Halterungen der Kettenwanne und am Vorstag. Erkennbar sei das an einer weißen, pastösen Ablagerung rund um die Edelstahlbeschläge. Ursache: Edelstahlbeschläge und -nieten sitzen ohne Trennschicht auf eloxiertem Aluminium; Kriechströme an Bord oder in der Marina können den Vorgang beschleunigen. (F6)

Laut diesem Bericht stellt Lagoon ein Reparatur-Kit bereit (Zweikomponenten-Mittel, Kunststoffzwischenlage, Tef-Gel, neue Nieten). Im Extremfall muss der Querbalken getauscht werden; der Eigner kannte nur einen Fall, in dem das bezahlt wurde, und berichtet von 18 Monaten Reklamation. Neue Querbalken würden inzwischen mit vormontierter Isolierung geliefert. (F6)

Noch im September 2023 erinnerte ein Gutachter in der Gruppe daran, dass er bei Besichtigungen viele Boote ohne dieses Kit vorfindet. Bei vorhandenem Lochfraß empfiehlt er: Löcher füllen, schleifen, grundieren – erst dann Tef-Gel, Nieten und Teflon-Zwischenlage. (F7)

Was Eigner jetzt tun sollten

  • Prüfen, ob das Boot zwischen 2007 und 2019 gebaut wurde und feste Goïot-Notluken hat.
  • Sicherstellen, dass das Haltekit montiert ist – und unabhängig davon das Alter der Luken prüfen. Älter als 10 Jahre heißt: austauschen.
  • Bei Unklarheiten den Händler oder das Servicecenter kontaktieren – oder Lagoon direkt über die Rückruf-Adresse lagoon19009@beneteau-group.com, jeweils mit Modell, Rumpfnummer (HIN) sowie Händler bzw. betreuender Werft. Gerne unterstützen auch wir bei der Abwicklung: christian@mutinyque.com.
  • Bei Gebrauchtbooten: Nachweise über Luk-Nachrüstung, Mastfuß-Modifikation und Querbalken-Kit anfordern.
  • Bugrollen und Beschläge am vorderen Querbalken abnehmen und auf weiße Ablagerungen oder Lochfraß prüfen; Nachweis über das Querbalken-Kit anfordern.
  • Notluken regelmäßig auf Trennfugen zwischen Glas und Rahmen, Verfärbungen und Salzränder kontrollieren.
  • Beim Lukentausch nach der aktuellen, an den Ecken verschraubten Ausführung fragen.

Lagoon selbst betont seit Beginn der Kampagne, dass es sich um ein Sicherheitsthema handelt, das sehr ernst genommen werden muss. Der Fall im Indischen Ozean zeigt, warum.

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Quellen

Eigner-Diskussionen auf Facebook – „Lagoon Owners Group“ (private Gruppe). Verfasser anonymisiert, Namen der Redaktion bekannt und dokumentiert.

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